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Inhaltsangabe Slowakei Herbst 2005 - Tischri 5766

Editorial
    • Editorial - Oktober 2005 [pdf]

Rosch Haschanah 5766
    • Die Kraft des Gebets [pdf]
    • Solidarität und Erlösung [pdf]

Politique
    • Ein riskantes Vorhaben [pdf]

Interview
    • Quo Vadis Israel? [pdf]
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    • Neue Herausforderungen [pdf]

Kunst und Kultur
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Analyse
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    • Alter Wein in neuen Schläuchen [pdf]

Reportage
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Profil
    • Präzision und Flexibilität [pdf]

Porträt
    • Der Wein der Liebe [pdf]

Slowakei
    • Jerusalem und Bratislava [pdf]
    • Weitsicht und Sinn für Pragmatik [pdf]
    • Zidovska Nabozenska [pdf]
    • Vermitteln Zum Überleben [pdf]
    • Der «Plan Europa» [pdf]
    • Tradition und Kulturerbe [pdf]
    • Der Jüdische Widerstand [pdf]

Schicksal
    • Von Auschwitz Nach Urdorf [pdf]

Forschung und Wissenschaft
    • Schöne Silhouette! [pdf]
    • Kürbis und Kürbisarten! [pdf]

Ethik und Judentum
    • Gebet und Eingriff [pdf]

Das gute Gedächtnis
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Vermitteln Zum Überleben

Von Roland S. Süssmann
Gewisse Zeichen trügen nicht. Als ich einen Verantwortlichen der Gemeinde von Bratislava bat, die Synagoge besichtigen zu können, sagte er, er habe keine Schlüssel. Ich antwortete ihm folgerichtig, der Rabbiner könne mir doch bestimmt die Tür öffnen, doch er erwiderte mir: «Wir haben doch dem Rabbiner die Schlüssel zur Synagoge nicht gegeben». In der Regel besitzt jeder Priester einer kleinen Pfarrei den Schlüssel zu seiner Kirche? aber nicht der Rabbiner in Bratislava. Dieses Detail ist bezeichnend für die sehr komplizierten Beziehungen, die in dieser Gemeinschaft zwischen dem Rabbiner der Stadt und der Gemeindeleitung herrschen. In den verschiedenen Gesprächen, die ich mit diversen Leuten führte, konnte ich dann erst das Ausmass und die bemerkenswerte Qualität der Arbeit feststellen, die der junge Rabbiner BARUCH MYERS geleistet hat; er ist Anhänger der chassidischen Lubawitscher Bewegung (Chabad), welche die authentischen Werte des Judentums im Sinne ihrer diversen grossen Denker vermittelt. Diese Art der offenen, aber kompromisslosen Wissensvermittlung kann nicht allen gefallen und kann Spannungen hervorrufen, auch wenn im jüdischen Leben von Bratislava alles in allem eine Art friedliche Koexistenz herrscht.

Sie sind nun seit 12 Jahren in Bratislava, doch Ihre Präsenz ist einigen anscheinend ein Dorn im Auge. Dennoch scheinen Sie Ihre Arbeit mit bemerkenswertem Erfolg auszuführen. Können Sie uns sagen, wie Sie mit der täglichen Herausforderung umgehen und wie Sie das jüdische Leben in «Ihrer» Gemeinde wahrnehmen?

Es besteht kein Zweifel daran, dass das Zusammenfliessen verschiedener jüdischer Kulturen innerhalb einer winzig kleinen Gemeinde wie derjenigen von Bratislava, die nur 600 Menschen umfasst, dieselben Probleme hervorruft wie in einer Gemeinschaft mit 10'000 Mitgliedern. Aufgrund der geringen Anzahl von hier lebenden Juden ist es uns einfach nicht möglich, eine Vielfalt von Gemeinden zu führen, die den verschiedenen Bedürfnissen einer jeden Ausrichtung entsprechen. Darüber hinaus muss man wissen, dass die Gemeindemitglieder in vielen Fällen ein überdurchschnittlich hohes intellektuelles und akademisches Niveau aufweisen und alle aus unterschiedlichsten sozialen, religiösen und wirtschaftlichen Kreisen stammen. Meine Herausforderung besteht also darin, ein jüdisches Leben aufrecht zu erhalten, das dieses Namens würdig ist, und das in einer Umgebung, die im Gegensatz zu den Gegebenheiten in anderen Gemeinden Osteuropas ein sehr komplexes Mosaik verkörpert. Es stellt sich nicht die Frage, ob diese oder jene Handlung «zu oder nicht ausreichend fromm, extremistisch oder orthodox» ist, denn meine Verhaltenslinie entspricht derjenigen des Schulchan Aruch, des Kodex für jüdisches Leben und jüdische Gesetzgebung. Es gibt Situationen, in denen eine strenge Verhaltensweise vorgeschrieben ist, in anderen Situationen ist der Kodex nachsichtiger. Die Arbeit als Rabbiner in einer Gemeinde, in der alle Ausrichtungen des Judentums anzutreffen sind - vom agnostischen Juden bis zum frommeren Juden (einschliesslich der Menschen, die drei Mal am Tag beten, aber eine Nichtjüdin zur Frau haben) -, ist folglich sicher eine ständige Quelle der Herausforderung, erlaubt es mir aber nicht, jedem die Lösung anzubieten, die er finden möchte oder zu finden hofft. Ich begreife durchaus, dass es im Rahmen dieser Vielfalt für gewisse Gemeindemitglieder - je nachdem, wie sie ihre Beziehung zum Judentum wahrnehmen und ausleben - frustrierend sein kann, nur einen einzigen Rabbiner zu haben, der überdies seine Entscheidungen aufgrund des Gesetzes und des Geistes des orthodoxen, traditionellen und authentischen Judentums trifft und nicht versucht, um jeden Preis eine bequeme Lösung anzubieten. Ich bemühe mich persönlich immer, eine Antwort zu finden, die zwar der jüdischen Gesetzgebung entspricht, das Gesetz aber auf möglichst milde Weise auslegt.

Sie haben die grosse Vielfalt an Konzepten und Ansätzen des Judentums in Ihrer Gemeinde erwähnt. Wie erklären Sie sich diesen Zustand?

Die jüdische Gemeinde der Slowakei wurde von vier wesentlichen Etappen in der jüngeren Geschichte des Judentums nachhaltig geprägt und dies erklärt die Komplexität der heutigen Mentalität. Zunächst muss man wissen, dass die Lehren des Chatam Sofer, Rabbi Mosche Schreiber (1762-1839), in den Köpfen und Mentalitäten in Bratislava immer noch präsent sind. Lassen Sie mich kurz daran erinnern, dass diese weltweit anerkannte rabbinische Autorität der Orthodoxie strenger Observanz hier die grösste Ausbildungseinrichtung für Rabbiner seit derjenigen in Babylon gegründet hatte (Jeschiwah Pressburg). Noch heute gelten seine Schriften als Referenzwerke unter den Rabbinern. Dies ist ein erster Punkt. Der zweite besteht aus dem Trauma der Schoah; der dritte aus den Konsequenzen eines Lebens unter dem Joch des kommunistischen Regimes, und der letzte aus dem massiven Exodus der slowakischen Juden.

Können Sie uns sagen, welche Rolle diese vier Elemente in der gegenwärtigen Einstellung der Juden von Bratislava spielen?

Der Chatam Sofer hat der Gemeinschaft eine sehr vielfältige geistliche und religiöse Tradition in Bezug auf Studium und Frömmigkeit hinterlassen. Aufgrund der Bedeutung der von ihm gegründeten Jeschiwah, an der so viele junge Leute studiert haben, besitzt er in der jüdischen Welt immer noch eine Präsenz, die nicht von der Hand zu weisen ist. Ganz egal, ob ich atheistischen oder neologischen Juden begegne, einer ihrer ersten Sätze lautet immer wieder: «Ich bin nicht mehr besonders fromm, doch Sie müssen wissen, dass mein Onkel - Grossvater, Cousin - an der Jeschiwath Pressburg studiert hat». Er ist also allen ein Begriff, auch denjenigen, die sich bei weitem nicht mit seiner sehr strengen Auffassung des Judentums identifizieren. Ich muss zugeben, dass mir dies in gewisser Weise die Arbeit ein wenig erleichtert.
Was die Nachwirkungen der Schoah auf die Gemüter betrifft, so fallen sie ähnlich aus wie überall sonst in Europa: Schmerz, Verlust, Trauer, Tränen, Furcht, vermischt mit einem unglaublichen Hunger nach Leben. Auf religiöser Ebene wie in anderen Bereichen finden wir beide Einstellungen vor: diejenigen, welche dieses Trauma mit verstärktem Glauben überlebt haben, und diejenigen, die dadurch atheistisch geworden sind oder ihren Glauben verloren haben. In Bezug auf die Folgen des kommunistischen Totalitarismus, der 40 Jahre lang wie ein bleierner Deckel auf dem Land lastete, bin ich der Ansicht, dass diese Realität durch ihre Heimtücke der jüdischen Identität extrem geschadet hat. Obwohl eine gewisse Form der Glaubensfreiheit und des organisierten jüdischen Lebens existierte (Synagoge, koscheres Fleisch usw.), war es für das Individuum fast unmöglich, als frommer Jude zu leben und gleichzeitig beruflich normal Karriere zu machen. Das jüdische Leben wurde systematisch, wenn auch nicht offiziell ausgegrenzt. Es versteht sich von selbst, dass jeder, der zwischen dem regelmässigen Besuch der Synagoge und einem Posten als Universitätsprofessor wählen konnte, keine Sekunde zögerte. So waren das Gemeindeleben und die Ausübung des Glaubens während Jahren zu einem Treffpunkt für Rentner geworden, die nichts zu verlieren hatten. Dieser Zustand führte letztendlich zur vierten Etappe. Für die Juden, die völlig assimiliert waren und sich in das slowakische Leben integriert hatten, indem sie praktisch jede Verbindung zum Judentum gekappt hatten, gab es keine Probleme. Doch diejenigen, die eine berufliche Karriere mit einem jüdischen Leben kombinieren wollten, besassen nur eine Option: die Emigration. Es boten sich zwei Gelegenheiten auszuwandern: zwischen 1945 und 1948 sowie 1968 während des Prager Frühlings. Zahlreiche Juden verliessen das Land, die Zurückbleibenden waren eigentlich jene, die von den Schwierigkeiten beim Ausleben ihres Judentums nicht betroffen waren. Als ich 1993 hier eintraf, fand ich eine Gemeinschaft vor, die einerseits aus älteren Menschen bestand, welche mit dem Judentum vertraut waren, beten und die Torah lesen konnten, die teilweise koscher assen usw., die andererseits aber eine jüngere Generation ohne jüdische Vergangenheit umfasste.

Wie erklären Sie es sich, dass eine Gemeinde, die von 1978 bis 1993 ohne Rabbiner auskam, plötzlich das Bedürfnis empfand, doch einen zu beschäftigen?

Bis 1968 gab es einen Rabbiner, der dann nach Israel auswanderte. Ein Verwandter von ihm, der aber nicht diplomierter Rabbi war, übernahm in gewisser Weise seine Aufgaben: er kümmerte sich um die Kaschruth, den Unterricht für die Kinder und die Durchführung der Gottesdienste. Ausserdem war ein älterer Herr mit der Lektüre der Torah betraut. Für den zufrieden stellenden Ablauf des jüdischen Alltags ist es nicht wirklich wichtig zu wissen, ob der Verantwortliche ein Rabbinerdiplom besitzt oder nicht. Heute ist der «Rabbiner» von Kosice eine Art geistlicher Führer. So können zwar die technischen Dienstleistungen ohne echten Rabbiner funktionieren, doch es gibt eine andere Dimension, der man entsprechen muss und die nach der Präsenz eines Rabbiners verlangt, der eine jüdische Antwort auf die zahlreichen Fragen geben kann, die sich die Menschen in persönlichen Angelegenheiten und in Bezug auf die Gemeinschaft stellen. Dies ist eine Herausforderung für sich, denn ich gehe als Rabbiner nicht davon aus, dass ich die jüdische Gemeinschaft und ihre Auffassung vom Judentum, sondern unseren Glauben selbst vertrete. Es trifft zwar zu, dass sich viele Leute einen Rabbiner als Ansprechperson wünschen, mit dem sie sich identifizieren können. Ich meinerseits teile diesen Standpunkt nur bis zu dem Punkt, wo ich keine Kompromisse betreffend religiöse Praxis und Gesetzgebung eingehen muss. Ich höre sehr oft Folgendes: «Beschränken Sie Ihre Aufgabe auf die Aktivitäten der Synagoge», was natürlich implizit heisst, dass ich mich in allen anderen Bereichen nach den Ansichten und Anweisungen der Gemeindeverantwortlichen zu richten hätte, was überhaupt nicht in Frage kommt. Als ich hier ankam, hätte die Generation, die damals in die Synagoge ging, sicher nie einen Rabbiner akzeptiert, der einfach nur die Gottesdienste durchführt und sein Leben nicht auf den Glauben ausrichtet. Mit der neuen Generation sieht es heute etwas anders aus. Ich verstehe, dass die gegenwärtige Situation zu Meinungsverschiedenheiten führt, doch es handelt sich ja nicht um überwindbare Probleme, wenn beide Seiten ein wenig guten Willen zeigen. In meinen Augen ist die Gemeinde zu klein, um einen zweiten Rabbiner einzustellen, und ausserdem würde er sowieso, ganz unabhängig von seiner religiösen Ausrichtung - sei er nun orthodox oder liberal - irgendjemandem missfallen.

Woraus besteht der wesentliche Teil Ihrer Aufgabe?

Man kann das Judentum auf verschiedene Weise vermitteln: entweder mit Hilfe von Kompromissen, oder indem man konsequent auf den religiösen Grundsätzen beharrt und diese Schritt für Schritt erläutert. Wenn mir jemand z.B. sagt: «Ich möchte den Schabbat nicht einhalten, aber ich bin bereit die Tefillin anzulegen», dann habe ich zwei Möglichkeiten: die eine ist einfach und bietet eine sofortige Lösung, die andere ist schwieriger und verlangt eine langfristige Anstrengung. Die Kompromissvariante lautet: «Es ist toll, dass du überhaupt deine Tefillin anlegst, der Schabbat ist nicht so wichtig». Entscheide ich mich aber für die Schwierigkeit, sage ich: «Lege deine Tefillin schon einmal an, und wenn du bereit bist, den Schabbat einzuhalten, dann beginnst du auch damit. Der Schabbat wird da sein und dich empfangen». Diese Haltung funktioniert auf individuellem Niveau, aber nicht auf der Ebene der Gemeinde. Ich kann es nicht akzeptieren, dass beispielsweise eine Veranstaltung der Gemeinschaft nicht streng koscher ist, nur unter dem Vorwand, dass sie für diese Etappe noch nicht bereit ist. Es gibt eine Reihe von Dingen, die ich tun oder akzeptieren kann, doch insgesamt glaube ich, dass der Kompromiss vieles zerstört. Wir nehmen übrigens in unserem Kindergartem, dem einzigen in der Stadt, nur Kinder auf, deren Eltern Juden gemäss der Halachah sind. Dies hat uns viel Kritik und Spott eingebracht, er ist dennoch ein grosser Erfolg. Es ist natürlich immer noch eine kleine Gruppe, doch für mich kommt es nicht in Frage, dass wir den Kindergarten vergrössern, indem wir Kinder zulassen, deren Mutter keine Jüdin ist. Jedes Kind mit einer jüdischen Mutter is berechtigt, die gesamte Palette der jüdischen Erziehung in Anspruch zu nehmen. Ich verstehe aber auch sehr gut, dass ein Jude, der eine nichtjüdische Frau heiratet, sich wünscht, dass seine Familie als jüdisch angesehen wird. Diese Haltung ist typisch für die slowakische Mentalität, die sehr patriarchalisch ist. Wenn beispielsweise ein Katholik eine Protestantin ehelicht, gilt seine ganze Familie automatisch als katholisch.

Trotz allem sind sie das geistliche Oberhaupt einer Gemeinschaft, die als Mitglieder Menschen aufnimmt, bei denen nur der Vater Jude ist. Wie vereinbaren Sie dies mit Ihrer Ideologie und Ihrer Politik, die an sich den Kompromiss ablehnt?

Sie sprechen da einen wesentlichen Punkt an. Anhand solcher Fälle können Sie ausserdem ermessen, wie unklar die Situation ist, in der wir uns befinden. Ja, dieser Mensch wird effektiv als Mitglied anerkannt? bis zur Eingangstür der Synagoge, wo er den Status eines passiven Gastes annimmt. In meinen Augen ist diese Person ganz einfach nicht jüdisch und ich würde nie einwilligen, sie nach den Gesetzen des Judentums zu verheiraten oder zu beerdigen.

Nehmen Sie auch Konvertierungen vor?

Es gibt nicht so viele Anwärter. Im Allgemeinen sind es Frauen, die einen Juden heiraten wollen und darum bitten. Ich begnüge mich mit allen Vorbereitungen, doch die Konvertierung an sich wird anschliessend in Israel oder von einem orthodoxen Rabbinat vollzogen, dessen Befugnisse meine übersteigen.

Wie sehen Sie unter diesen Bedingungen die Zukunft dieser Gemeinschaft?

Meine Arbeit besteht nicht darin, das Überleben der Gemeinschaft zu gewährleisten, sondern darin, das Judentum so zu lehren und zu vermitteln, dass ihr Überleben sich als logische Folge davon ergibt. Ich möchte letztendlich sicher sein, dass die uns heute anvertrauten Kinder morgen zu jüdischen Führungspersönlichkeiten heranwachsen, die sich ihres Judentums bewusst sind, die sich in der Materie auskennen und die Entscheidungen auf der Grundlage unserer Gesetzgebung fällen können. Man muss sich klar machen, dass man das Judentum nicht rettet, indem man sich Sorgen um seine Zukunft macht, sondern indem man es aktiv lebt. Ich denke, dass die Gemeinschaft in der Slowakei durchaus die Möglichkeit hat, die Zahl ihrer Mitglieder zu erhöhen, und zwar nicht mit Hilfe von Kompromissen in Bezug auf die Aufnahmebedingungen, sondern durch eine Öffnung für alle authentischen Juden, die hier leben und es bis heute nicht gewagt haben, zu ihrer Identität zu stehen. Es passiert mir mindestens einmal im Monat, dass ich Leute treffe, die sagen: «Ich selbst bin nicht jüdisch, aber meine Mutter war es?».

Die Zukunft einer Gemeinschaft liegt in der Jugend. Sie haben mir aber gesagt, dass die Gottesdienste nicht sehr viele junge Leute anziehen. Was unternehmen Sie konkret, um dies zu ändern?

Vergessen Sie nicht, dass es um sehr geringe Zahlen geht. Wir haben zwar ein Ferienlager für 50 Kinder organisiert, die alle authentische Juden waren. Doch die Aktivitäten des Verbands für jüdische Studierende wurden wieder eingestellt, weil Mitglieder fehlten. Es ist uns gelungen, sieben junge Leute im Rahmen der Operation Birthright nach Israel zu schicken. Hier im Zentrum Chabad bieten wir eine ganze Liste von Programmen mit jüdischem Inhalt und auf sehr hohem intellektuellem Niveau an. An ihnen nehmen hauptsächlich junge Menschen teil, die mit 15 oder 16 Jahren in unseren Ferienlagern waren. Um uns der von Ihnen erwähnten Altersgruppe anzunähern, haben wir den jungen Rabbiner Zeev Stiefel eingestellt, der den Hochschulkreisen nahe steht. Dies ist sehr wichtig, denn in der Slowakei, insbesondere in Kosice, gibt es mehr als 200 israelische Studenten, die keinerlei Kontakt zur Gemeinde haben und die sich dank unseren Bemühungen weniger ausgeschlossen fühlen. Einmal wöchentlich veranstalten wir ein Frühstück, wo sich die Hebräisch sprechenden Personen treffen können und wo wir ein kleines Torah-Studium durchführen, vom Judentum sprechen usw. Darüber hinaus organisieren wir Abendessen an Schabbat für 12 oder 15 Personen, an denen wir viel singen und die sehr geschätzt werden. Parallel dazu gibt es auch ein Angebot mit Aktivitäten für Jugendliche, die das Alter der Bar-Mizwah erreichen.

Rabbi Baruch Myers und sein Team leisten, wie wir sehen konnten, in einem schwierigen Umfeld eine bemerkenswerte Grundlagenarbeit, die für das Wohl der jüdischen Gemeinschaft der Slowakei im Allgemeinen und für diejenige in Bratislava im Besonderen extrem konstruktiv ist. Auch wenn er nicht von allen geschätzt wird, so geniesst er doch grossen Respekt wegen seiner sanften und doch kompromisslosen Art, sich seiner Herausforderung zu stellen. Die Gemeinde, für die jemand wie Rabbi Myers tätig ist, kann sich wirklich glücklich schätzen.


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